Barlach Edition

Dem Werk Kafkas, Döblins, Musils durchaus vergleichbar, reflektiert die Prosa Ernst Barlachs die Krise des neuzeitlichen Bewusstseins, wie sie für die klassische Moderne seit Ende des 19. Jahrhunderts, verschärft durch den Ersten Weltkrieg, fassbar wird. Die vertrauten Gewissheiten, insbesondere der Glaube an Fortschritt und an die Autorität der technisch-wissenschaftlichen Vernunft sind ins Wanken geraten.
Unsicherheit, Infragestellung der als fassadenhaft erlebten Welt und ihrer Werte, "der panische Schrecken vor einem so beschaffenen Dasein" (EB), sind Zeugnis einer Epoche – auch das mitunter verzweifelte Suchen nach einer anderen, einer besseren Welt. Mit dieser Kritischen Ausgabe der gesamten Prosa hat der Hamburger Literaturwissenschaftler Ulrich Bubrowski editorische Maßstäbe gesetzt. Auf etwa 4500 Seiten bildet diese 11 Bände umfassende Edition erstmals die literarische Vielfältigkeit Ernst Barlachs vollständig ab. Bisher war lediglich kaum die Hälfte der nun edierten Arbeiten zugänglich, zudem in durchgehend unzuverlässiger Textgestalt, mitunter erheblich gekürzt. Die einzelnen Texte sind ausnahmslos neu aus den Handschriften erarbeitet. Sie werden sämtlich in authentischer Textgestalt dargeboten, also ungeschönt, selbstverständlich ungekürzt, einschließlich der Schroffheiten und orthographischen Eigenwilligkeiten der Manuskripte, mitunter auch einschließlich getilgter Stellen, also in dem Zustand, in dem der Autor sie hinterlassen hat.